Ich bin Lektorin aus Leidenschaft. Wer jetzt erwartet, dass ich mit einem seitenlangen Lebenslauf mit Germanistik-Studium, Volontariat und einer Vielzahl Jobs als Redakteurin aufwarte, den muss ich enttäuschen. Denn mein Weg war ein völlig anderer.

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Ich muss ehrlich sagen, dass ich nach meinem Abitur den falschen Job gewählt habe. Ich bin Asperger-Autistin, was ich zu jenem Zeitpunkt nicht wusste. Das sind Autisten, die im Grunde völlig normal und angepasst sind, aber in mancherlei Hinsicht etwas „besonders“. Keine Angst, im Normalfall bin und wirke ich völlig normal, meistens merkt man mir gar nichts an (außer man kennt mich näher, dann bemerkt man Sachen wie … dass ich zu viele Menschen und Geräusche um mich herum nicht mag, dass ich mir Gesichter nicht merken kann, dass ich gerne ALLES plane, dass ich lieber eine E-mail schreibe, als zu telefonieren, weil selbst Spontanität bei mir überdacht sein muss, dass ich verdammt pingelig bin und mir 100% manchmal nicht genug sind und einiges mehr). Ich habe mich schon immer für alles Mögliche interessiert und kann mir quasi alles aneignen, sofern es mich interessiert. Als Kind und Jugendliche hat man mein Talent entdeckt, dass ich logische Zusammenhänge ohne Probleme herleiten kann und hat mich in Mathefördergruppen und ähnliches gesteckt. Mein Vater war stolz, weil er Mathelehrer war (ja, oh mein Gott …). Ich habe niemals protestiert und habe das Ganze so weit getrieben, dass ich mal so eben eine Mathematikolympiade nach der anderen gewann und kurzerhand Wirtschaftsinformatik studierte (ja, die Wortwahl ist bewusst, weil ich für all das nie richtig lernen musste, weil ich das „Glück“ hatte, dass ich all das Wissen in mich aufsaugen konnte, sobald ich es einmal gehört hatte). Warum Wirtschaftsinformatik? Weil man da angeblich so viel Geld verdienen konnte (und das war mir mit meinen damals 18 Jahren das Wichtigste – Geld verdienen, weg von zu Hause).

Was sich schon immer durch mein ganzes Leben zog, waren Bücher. Seitdem ich lesen kann, verschlinge ich Unmengen an Büchern. Zu Studienzeiten durfte ich dann die Arbeiten meiner Kommilitonen korrigieren und habe gemerkt, dass meine Studienwahl falsch war. Ich war drauf und dran, das Studium hinzuschmeißen und Lektorin zu werden, weil Bücher das Einzige waren, das mich wirklich interessierte. Aber ich habe mich dagegen entschieden, weil ich wieder einmal Angst vor dem Nicht-Planbaren hatte und den sicheren Weg gehen wollte. Und damit habe ich mich dann ein paar Jahre zufrieden gegeben. Aber wirklich zufrieden war ich mit meiner Jobwahl nie, weil in der IT alles so vorhersehbar und völlig logisch ist. In der IT gibt es leider keine Cliffhanger und schockierende Wendungen (und die mag ich ausgerechnet in Romanen sehr, auch wenn ich sie in meinem Leben verabscheue). Es gibt vorgegebene Rahmenbedingungen und Strukturen, in denen man sich bewegt. Wenn ich mich mit anderen über den Wunschjob unterhalten habe, blieb nach wie vor „Lektorin“ meine Antwort. Aber den Zug hatte ich wohl verpasst, war ich der Ansicht.

Im Jahre 2016 fand ich heraus, was es mit meiner „Andersartigkeit“ auf sich hat (ich wusste schon immer, dass ich irgendwie anders war, konnte es aber nicht benennen). Dass das eine Form des Autismus ist (es wurde mir erst dann bewusst, als ein Kinderpsychologe herausfand, dass eines meiner Kinder auch hochbegabt ist und einige „autistische Züge“ hat). Daraufhin habe ich mich mit anderen Aspergern ausgetauscht und festgestellt: Das bin ich! Und irgendwann kam in unserer Facebook-Gruppe die Frage auf, warum man als Autist immer wieder auf der Suche nach der „erfüllenden Tätigkeit“ im Sinne eines Jobs ist. Es ist tatsächlich so gewesen, dass ich mich wiedererkannt habe. Alle paar Jahre habe ich den Job gewechselt, weil mich die Tätigkeit nicht dauerhaft ausfüllte, ich damit nicht glücklich war, weil ich keine „Befriedigung“ mehr darin fand. Man gab mir den Rat zu überlegen, was meine „Inselbegabung“ sei. Etwas, das man immer und immer wieder machen könne, ohne zu ermüden, und worin man wirklich gut ist. Und da musste ich nicht lange überlegen, für mich war es das Lektorieren. Ich liebe Bücher, ich bin ein Talent, was geschriebene Worte angeht. Sobald jemand in meiner Umgebung einen Brief, eine Bewerbung oder was auch immer geschrieben haben wollte, kam man zu mir und ich habe das übernommen. Sämtliche wissenschaftliche Arbeiten von Bekannten wurden von mir lektoriert. Jedenfalls ging es in unserer Diskussion darum, wie man job-technisch glücklich wird, ohne einen eiskalten „Absprung“ vom alten zum neuen Job zu wagen. Und es wurde mir und den anderen Diskussionsteilnehmern geraten, sich mit dem „Talent“, das man hat, einfach mal neben dem Job selbstständig zu machen. Einfach anfangen. Und schauen, ob es funktioniert. Das habe ich getan. Anfangs habe ich neben dem 40-Stunden-Job lektoriert. Inzwischen habe ich gemerkt, dass es funktioniert und ich in meinem Lektorenjob wesentlich glücklicher bin als in meinem alten. Mein erster lektorierter Roman „Ein Cowboy zum Küssen“ wurde sogleich zum Top-Titel des Verlags gekrönt und steht seit Monaten auf Platz 1 der E-Books im TWENTYSIX-Verlag. Und weil ich diesen Job so sehr liebe und mich voll und ganz euren Werken widmen möchte, habe ich nun meinen Hauptjob bis auf ein Minimum reduziert und bin freie Lektorin geworden. Und ich bin mit Leidenschaft dabei!

Was man selbst gern liest, das lektoriert man natürlich auch am besten. Am liebsten mag ich die richtig heftigen Psychothriller. Zum Beispiel von Simon Beckett, Ben Berkeley, Jilliane Hoffmann, Peter James, Luc Deflo. Am besten finde ich, wenn man nach dem letzten Kapitel das Buch schließt und denkt: „Boah, nee, oder?!?“ Aber auch Krimireihen mit „Ermittlern mit Macken“ mag ich sehr (die Wallander-Krimis, die „Kommissar Süden“-Reihe, alle Bücher von Hakan Nesser). Ich mag es, wenn die Protagonisten nicht so aalglatt sind. Die dürfen ruhig reichlich Psychosen haben. Und was überhaupt nicht ins Bild passt: Obwohl ich sonst kein Fan von Fantasy bin, habe ich die Tinten-Reihe von Cornelia-Funke geliebt. Schon allein wegen der Botschaft, die dahinter steckt – die Liebe zu Büchern, dass die Welten darin lebendig werden. Da ich vier Kinder habe, gibt es in unserem Hause auch eine Vielzahl Kinderbücher, die ich auch gern lektoriere. Die Genres, die mir nicht so liegen, sind Science-Fiction und Fantasy.  Aber es gibt sicherlich den ein oder anderen Lektoren-Kollegen, den ich euch in diesen beiden Genres weiterempfehlen kann.

Und jetzt habe ich hier fast meine ganze Lebensgeschichte ausgebreitet. Ich hoffe, du fühlst dich nicht überrumpelt und nutzt mein Angebot eines unverbindlichen, kostenlosen Probelektorats. Danach bildest du dir deine eigene Meinung, ob wir miteinander harmonieren. Und als abschließenden Hinweis: Der Lektor ist nicht dein Feind, er ist dein Freund, dein Trainer. Der Rotstift ist niemals böse gemeint, bitte vergiss das nicht!